Öl-Leck in Keystone-Pipeline in South Dakota: 795.000 Liter ausgelaufen

The Overnighters

One Spirit.

 · estal selbst fliegt am liebsten mit seiner einmotorigen Maschine hinaus zu den Ölfeldern: Aber der Ölboom von Williston, North Dakota, Author: Uwe Schmitt.  · Die Bürger von North Dakota sind die glücklichsten Amerikaner - dank eines Öl-Booms, der manchen an den Goldrausch am Clondike erinnert.

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Stattdessen konzentrierten sich die Unternehmen auf die flüssigen Ölvorräte, die sie weit unter dem Schiefergestein im Boden aufgespürt hatten. Das Geschäft in North Dakota lief gut - bis in die Achtzigerjahre. Dann waren die Felder so weit leergepumpt, dass kein Öl mehr an die Oberfläche kam.

Ein Exodus der Unternehmen folgte. Damals war es eine unbedeutende Organisation, in der die Beamten viel Zeit zum Kaffeetrinken hatten. Und so sollte es auch über die nächsten 20 Jahre bleiben. Es gibt kaum eine der aktiven Ölbohrungen, die Lynn Helms nicht genehmigt hat. Die aktuell rund Und sie bringen Reichtum in die Prärie: North Dakota lässt mit 14 Prozent Wirtschaftswachstum im Jahr sogar den globalen Wirtschaftsprimus China blass aussehen. Die Löhne sind so hoch, dass selbst Truckfahrer mit einem Jahresgehalt von Die Mengen, die an Oberflächen kamen, waren mickrig.

Und das blieben sie auch nach , als die Ingenieure das erste Mal versuchten, den Schiefer in diesen Bohrlöchern zu fracken. Im westlich gelegenen Montana hatten Unternehmen damit schon Erfolg.

Den Durchbruch brachten erst die horizontalen Bohrungen, wie sie Wayne Biberdorf im Winter voranbrachte. Damit aber waren die technischen Fortschritte noch nicht vorbei, erzählt Helms: Heute sind es zwischen fünf und sieben Prozent. Möglich wurde das auch durch bessere Kenntnisse der geologischen Beschaffenheit des Bakken.

Unter der Erde waren sie blind wie Maulwürfe. Einzig der Druck und die Temperatur verrieten, wo sich der Bohrer gerade befand. Mittlerweile haben die Mitarbeiter von Helms den Boden unter dem Bundesstaat teilweise auf den Meter genau kartografiert. Sie liegen jeweils mehrere hundert Meter unter und über der Bakken-Formation.

Derzeit versuchen aber erste Unternehmen auch diese Reservoirs anzuzapfen. Zusätzlich gepusht wurden die Förderraten auch durch immer neue Bohrungen. Bald könnten es 16 sein. So kann auf einem Hektar mehr Öl gefördert werden. Inzwischen teilen sie die Rohre in bis zu 30 rund Meter lange Abschnitte ein, die sie einzeln fluten siehe Grafik unten rechts. Damit erhöhen sich wiederum die Chancen, auf eine Gesteinsschicht mit viel Öl zu treffen.

Gehen die Innovationen in diesem Tempo weiter, sagt Lynn Helms in seinem Konferenzzimmer in Bismarck, könnten die Unternehmen künftig bis zu 15 Prozent des Öls aus dem Boden holen - damit würde sich die Förderrate verdoppeln. Aber was noch wichtiger als das Geld sei, sagt Helms: Schieferölbrunnen laufen nur in der Anfangszeit auf Hochtouren - die besten liefern bis zu Barrel pro Tag.

Nach ein oder zwei Jahren sinken die Raten dramatisch auf ein paar hundert Barrel. So tröpfeln sie dann meist über 20 Jahre dahin. Damit haben zwar die allermeisten Bohrungen die Kosten von bis zu zehn Millionen Dollar schon im ersten Jahr wieder eingespielt. Aber um aus dem Schieferöl-Boom eine dauerhafte, weltweite Ölrenaissance zu machen, müssen die Brunnen länger laufen. Damit könne die Produktion noch stark ausgebaut und bis stabilisiert werden, hat Helms berechnet. Damit wäre jeder verfügbare Flecken Land im Bakken-Gebiet untertunnelt.

Der Einsatz von Ressourcen und Material wären allerdings immens. Hinzu kommen der Sand und die Baumaterialien. Damit ist die Arbeit aber nicht zu Ende. Denn das Wasser, das in den Boden gedrückt wurde, kommt noch Monate später wieder an die Oberfläche. V erunreinigt ist es mit Salz aus den Tiefen und teilweise giftigen und radioaktiven Stoffen.

Die Behörden bemerkten den Unfall erst als ein Farmer Alarm schlug. Doch neben den Gefahren für die Umwelt und der Frage, ob der technische Fortschritt den Boom wirklich über die nächsten Jahrzehnte andauern lässt, gibt es noch einen sehr einfachen Faktor, der dem Kuwait der Prärie die Rohstoff-Party verderben könnte. Denn es ist vor allem der aktuell hohe Ölpreis, der die Schieferförderung ermöglicht - neben den technischen Innovationen.

Je nachdem, wo die Unternehmen im Bakken bohren, liegen die Produktionskosten eines Barrel Öls zwischen 35 und 60 Dollar. Sollte der Ölpreis von heute Dollar jemals wieder auf das Niveau von fallen, als das Barrel nur rund 30 Dollar kostete, wäre es vorbei mit dem Ölrausch.

Eins ist dabei sicher: Einfach wird es nicht, die USA zu kopieren. Aber wie das Beispiel North Dakota zeigt: Die Ölunternehmen scheinen immer einen Weg zu ihrem Produkt zu finden - und sei er noch so kompliziert. Die andere Frage ist: Wollen die Bürger die Ölförderung in ihren Ländern überhaupt?

In North Dakota jedenfalls sind die Auswirkungen deutlich, auch dort, wo kaum Menschen leben. Die ur-amerikanische Postkartenlandschaft wird langsam industrialisiert.

Derzeit entdecken Unternehmen die letzten unberührten Flecken Wildnis und Prärie, wo bis jetzt die Büffel grasten, für sich. Mit den Werbeerlösen können wir die Arbeit unserer Redaktion bezahlen und Qualitätsartikel kostenfrei veröffentlichen.

Leider verweigern Sie uns diese Einnahmen. Sie alle, gefeuert, geflohen, auf dem Sprung, suchen ihr Glück im Boom: Ein Lkw-Fahrer kann hier märchenhafte Hingehen, wo einen niemand kennt, rau leben, arbeiten, essen, schlafen und schnell reich werden: Der amerikanische Pioniertraum lebt in einer unwirtlichen, windzerzausten, menschenarmen Nische der USA. Woran scheiterte Rick Santorum, der aus Amerika einen Gottesstaat machen wollte? Und warum wählte am Ende niemand mehr Newt Gingrich, der versprach, den Iran und andere "Bad guy"-Länder zu bombardieren, bis der Benzinpreis auf 50 Cent pro Liter gefallen wäre?

Sie scheinen aus dem letzten Jahrhundert zu stammen. Übrig geblieben sind Mitt Romney und die Mutter aller Themen: Nie aus der Mode kam der Benzinpreis, dessen stetiges Steigen dem Präsidenten persönlich angelastet wird. So will es die amerikanische Tradition, die dem Staatsoberhaupt göttliche Fähigkeiten zuschreibt und ihm weniger innenpolitische Macht einräumt als jedem Premier in Europa.

Das muss man wissen, um zu erahnen, welche berechtigten und irren Hoffnungen der Ölboom in North Dakota nun stiftet. Gerade bei all denen, die ohne Arbeit, Zukunft, eben Hoffnung gewesen waren.

Das Öl zieht sie an wie einst das Gold. Fast sämtlich Männer, nicht alle sind jung. Die Zauberformel des Booms besteht aus Fracking "hydraulic fracturing" und horizontalem Bohren in der Bakken-Formation, einer knapp fünf Meter dicken Ölschieferschicht in drei Kilometer Tiefe unter Im Jahr waren es gerade Barrel am Tag. Jüngste Schätzungen haben die erhoffte Bakken-Ausbeute, noch vorsichtig mit Millionen Barrel veranschlagt, auf 24 Milliarden Barrel erhöht.

Der Preisanstieg beim Rohöl machte aufwendige Techniken rentabel. North Dakota, ein Agrarstaat mit nur Jobsterben, Stadtbankrott, verwaisende Vororte, zwangsenteignete Häuser, zukunftslose Jugend. Und doch zu wenig, um in der Boomtown mit explodierenden Preisen zu leben.

Sie halten nicht lange aus. Nach langen Auszehrungszeiten, als ihre Kinder wegzogen und Investoren nicht zu werben waren, wollen sie den jüngsten Aufschwung nicht abwürgen. Die Fairness der meisten beschämt eine Handvoll Verächter. In einem Blog ist von "Abschaum" und "menschlichem Müll" die Rede. In der Heimatzeitung "Williston Herald" stehen Klagen über die Zumutungen durch die Glücksucher und Erinnerungen an die eigene Siedlervergangenheit friedlich nebeneinander: April in einem Meinungsstück.

Wenn es nach Pfarrer Reinke geht, muss ein Christenmensch mehr tun, als die Neuankömmlinge zu tolerieren. Er muss "seinen Nachbarn lieben" und ihn aufnehmen, so schrieb er in einem Aufruf zu einem "Williston-Weg". Wenn die Bürger schon nicht die Fremden in ihr Haus bäten, wie er es mit seiner Frau und seinen vier Kindern seit Monaten tut - "sie feiern Geburtstage und Feiertage mit uns, teilen Mahlzeiten, mähen Rasen, reparieren unsere Autos, wir fühlen uns sicherer in unserem Haus mit diesen Männern und sie helfen uns, unsere Hypothek zu bezahlen" -, solle man sie wenigstens in Wohnwagen auf dem Grundstück leben lassen.

Ebendies hat die Stadt innerhalb ihrer Grenzen nun untersagt. Ein Blödsinn, schimpft Reinke, der nur die Gettoisierung der Zuziehenden in Lagern, sogenannten "man camps", vor der Stadt zur Folge habe. Aber die Menschen brauchen unsere Liebe. Ward Koeser gesprochen "Koser" arbeitet.

Sein Vater war Deutscher, er opferte den Umlaut der neuen Heimat. Die Marktführer hätten Apartmentgebäude und Motels für ihre Leute aufgekauft, sagt er, sie bauten gut geführte "man camps" und Wohnwagenparks. Wir machen vier Schritte voran, drei zurück. Sie bekommt nur die Hälfte. Zwei Jahre bleiben E. Ward Koeser noch in seinem Amt, sie dürften intensiv werden. Williston brauche dringend die nachziehenden Frauen und Familien der Pioniere, um das überforderte Dienstleistungsgewerbe zu entlasten.

Klempner, Krankenschwestern, Köche, Zahnärzte und besonders verzweifelt gesucht Kindergärtnerinnen. Was Williston braucht, liegt auf der Hand. Nicht gebraucht wird der Staat. Wenn es etwas gibt, das die Boomstadt eint, ist es das Ressentiment gegen die Bundesregierung. Washington saugt unser Blut und macht uns Vorschriften, sagen sie. Und das, obwohl sich Obama in dem konservativen Staat achtbar schlug: Ginge es mit rechten Dingen zu, müsste der von dem steigenden Benzinpreis bedrängte Präsident gerade in Williston, dem neuen Epizentrum des US-Ölbooms, seine Erfolge feiern: Es ist die geringste Quote in den vergangenen 16 Jahren.

Doch beim Recht auf einen niedrigen Benzinpreis, ein Geburtsprivileg der Amerikaner, enden Rationalität und erst recht Fairness. Es ist der einzige Preis, der mit einem Blick landesweit zu vergleichen und zu messen ist wie Puls und Blutdruck. Und er macht die Leute eingebildet krank.

Prompt fiel das Land in einen Fieberwahn, als Normalbenzin auf mehr als einen Dollar pro Liter stieg. Sofort wurde nach Krieg geschrien. Manche fanden es an der Zeit, Opec-Länder zur Vernunft zu bombardieren, ein paar Regierungen zu stürzen.

Seltsamerweise gingen Ausgaben für Freizeitvergnügungen, die der Mobilität bedürfen 13 Dollar im Wochendurchschnitt , nicht zurück. Noch immer parken viele Autofahrer ihre SUV, lassen die Motoren laufen, gehen einkaufen oder unterhalten sich eine halbe Stunde lang am Handy. Wegen Verschwörung zur Steuererhöhung: Es ist nicht Inkompetenz der Regierung, sondern Ideologie.

Das gilt allerdings auch für die Demokraten. Als John Kerry gegen George W. Das Benzin so teuer machen, dass Demokraten es sich nicht leisten können, zum Wahllokal zu fahren. Bis Williston kam er noch nicht. Statt auf Jobs zu warten, die Automatisierung und Globalisierung vertrieben haben und die nie mehr zurückkehren, sollten Pioniere wie einst im Jahrhundert dorthin aufbrechen, wo sie gebraucht und gut bezahlt werden. Barack Obama müsste ihre Kühnheit rühmen, dem Amerikanischen Traum zu folgen, wohin er auch führt.

So könnte Barack Obama zu den Pionieren in Williston sprechen und sie stolz machen. Man spürt mehr Duldung als Jay Reinkes Nächstenliebe. Sie ist viel verlangt. So wie der Pastor sich einsetzt für seine Kirche, eine Gründung deutscher Religionsflüchtlinge aus Sachsen in Missouri in den er-Jahren, fürchten seine Schützlinge um seine Gesundheit.

Denn Jay Reinke gewährt nicht nur Asyl, er zahlt Kaution für arme Teufel, die wegen Lappalien in Untersuchungshaft geraten, und vermittelt neben seiner seelsorgerischen Arbeit noch Jobs für sie.

Jähzorn übermannt ihn manchmal, was er sich umso mehr vorwirft. Wie ein Heiliger zu leben übersteigt seine Kraft.

Denn natürlich versteht er das Dilemma des Booms. Der ist erkauft mit Wachstumsschmerzen: Farmer stöhnen über eine Vergewaltigung ihres geruhsamen Lebensstils, steigende Kriminalität, Preisexplosionen bei Dienstleistungen, Lebensmitteln und ironischerweise auch bei Treibstoff. Darunter Mengen der gefürchteten "trucker bombs": Plastikflaschen mit der Notdurft von Fernfahrern, die sich keine Minute für einen Halt nehmen.

Aber ich bin froh, hier zu sein. Gott hat mich gesegnet und Türen geöffnet. Er war 47 und auch im Herzen kein junger Mann mehr, als er nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit von Middlesex County nahe Boston aufbrach, um nach Westen zu ziehen.

Vier Tage lang jagte er seinen alten Mitsubishi quer durch das Land, um sein Glück zu machen. Oder etwas mehr Glück zu finden, so wie seine armenischen Vorfahren vor ihm. Freunde hatten ihn für verrückt erklärt, er werde in Schwermut enden. Sich selbst aus dem Sumpf der Arbeitslosigkeit zu ziehen und in den Ölrausch zu fliehen, fand er, sei "mannhaft".

Wovor genau er weglief, warum er seine Arbeit verlor, lässt er offen. Zwei Jahre lang, so weist sein Lebenslauf aus, habe er nach seiner Kündigung kranke Verwandte gepflegt und treuhänderisch ihr Vermögen verwaltet. Als er ging, nahm er ein umwerfend gewinnendes Lächeln und eine urbane Eleganz mit sich, die es in den Ölfeldern nicht leicht haben werden.

Nicht abzuschütteln war ein grotesk überqualifizierter Lebenslauf mit drei akademischen Titeln, darunter in Chemie und Agraringenieurwissenschaft, dazu Berufserfahrung am M. Hagopian musste seine Karriere "herunterdummen", so gut es ging, um in Williston nicht ausgelacht zu werden.

Das Geld und der Stolz müssen reichen bis Juni, so lange gibt er sich. Freunde hat er gewonnen, die er in Boston nie gefunden hätte, einfache, hart arbeitende Männer. Von den Verlierern, die aus allen Richtungen nach Williston ziehen und bald spüren, dass niemand sie will, hält er sich fern.

An der Ostküste hat er es nicht gewagt, sich zu dem reaktionären Schützenbund zu bekennen: Ich habe schon den kalifornischen Goldrausch verpasst. Jetzt muss es sein: Das ist der Geist, den Kari Bjerke Cutting schätzt. Frau Cuttings Vorfahren kommen verblüffend sichtbar aus Norwegen, viele Freunde aus Deutschland , nach 27 Jahren Verbandsarbeit für die Kohleindustrie hat sie vor Monaten die Energiebranche gewechselt.

In einem Staat, der ein Viertel seiner Einnahmen und den gesamten Haushaltsüberschuss von einer Milliarde Dollar mit dem Öl der "bakkenization" verdient, hat der Rat mitzureden. Farmer auf Ölland wurden noch vor drei Jahren mit Pachtverträgen wohlhabend, heute werden sie Millionäre. Noch wird das frei werdende Erdgas, rund sieben Prozent der Fördermenge, meist abgefackelt. Der Preis ist zu gering. Fast das gesamte Land ist in Privatbesitz.

Faschismus im 21. Jahrhundert

Vor drei Jahren hörte er vom Ölboom in North Dakota: Deshalb braucht er mehr Euro, um die gleiche Menge Dollar für den Ölkauf aufzubringen.

Closed On:

Seit 15 Jahren ist er dabei.

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